Jugendhilfe-Schule-Lexikon

Die Stichworte sind mit freundlicher Genehmigung aus dem Buch: DEINET, Ulrich (Hg.): Kooperation von Jugendhilfe und Schule – Ein Handbuch für die Praxis, Opladen 2001 entnommen. Einige Stichworte sind ergänzt, andere neu aufgenommen worden.

Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD)

In der Jugendhilfe ist der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) die zentrale Institution bei der Planung und Durchführung von Hilfen. Er ist der soziale Beratungsdienst, bei dem eine Vielfalt von Problemlagen und Altersgruppen zu einer breiten Palette von Arbeitsaufträgen führen.
Der ASD stellt nach gesetzlichem Auftrag die psychosoziale Grundversorgung der Bevölkerung im Wohngebiet sicher. Er ist Anlaufstelle mit Informations- und Drehscheibenfunktion und bietet Hilfen in vielfältigen Notlagen. Die psychosoziale Grundversorgung orientiert sich an den Lebenswelten der Menschen unter Berücksichtigung von Prävention, Subsidiarität und Qualitätssicherung der Fallarbeit.

Der ASD hat den Auftrag, auf der Grundlage von KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) und BSHG (Bundessozialhilfegesetz), persönliche Hilfe ganzheitlich, gesetzes- und generationsübergreifend bereitzustellen. Die sozialpädagogischen Fachkräfte entwickeln im offenen Dialog mit den Betroffenen und unter Beteiligung anderer für die Hilfeleistung erforderlichen Personen, Dienste und Einrichtungen planvolle Hilfen. Der ASD orientiert sich an den Lebenszusammenhängen, entwickelt und stabilisiert soziale Netze.

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) in Marburg ist als Querschnittssachgebiet in zwei Regionalteams, welche die Regionen Marburg-West und Marburg-Ost betreuen, organisiert. Das bedeutet, dass alle Aufgaben durch eine Fachkraft für den zugewiesenen Bereich innerhalb des Regionalteams wahrgenommen werden. Der ASD hat sich aus inhaltlichen Gründen, die Erledigung der Aufgaben betreffend, für Ganzheitlichkeit und Regionalisierung entschieden, weil sich die Betroffenen so nicht mit unterschiedlichen Problemlagen an unterschiedliche Fachkräfte wenden müssen.

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Kinder, Jugendliche und Eltern müssen in allen Angelegenheiten der Jugendhilfe ausreichend informiert, beraten und beteiligt werden (§8 SGB VIII). Sie haben ein Recht, über Art und Umfang der Leistungen mitzubestimmen. Erfahrungen der Eltern, der Kinder und der Jugendlichen sollen in der Jugendhilfeplanung berücksichtigt werden.

Vgl. auch Hilfeplan, Partizipation

Erziehungsberatungsstellen

Erziehungsberatungsstellen und andere Beratungsdienste und -einrichtungen sollen Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme, bei der Lösung von Erziehungsfragen sowie bei Trennungs- und Scheidungsproblemen unterstützen.

Leistungen erfolgen nach §28 SGB VIII für folgende Aspekte:

  • Beratung von Eltern und anderen Bezugspersonen
  • Gruppenarbeit für Eltern und Kinder
  • Fortbildungsangebote, z.B. für Eltern und andere
  • Kindertherapien
  • Entwicklungsdiagnostik
  • Trennungs- und Scheidungsberatung (§§17, 18)

Fachdienst Schule

Die Trägerschaft über die Schulen obliegt den Kommunen. Sie sind in erster Linie für die Erstellung und laufende Unterhaltung der Schulgebäude und –anlagen, für die Bereitstellung von Lehrmitteln und für das Verwaltungspersonal der Schule zuständig. Hierzu gehören im Einzelnen:

  • eine Regionale Schulentwicklung (die Schulentwicklungsplanung, die Schulorganisation durch Einrichtung, Änderung und Aufhebung von Schulen bzw. Schulangeboten sowie die Festlegung der Schulbezirke)
  • Bau, Verwaltung und Unterhaltung der Schulgebäude und der Schulanlagen (u.a. Pausenhöfe und Sportanlagen, Ausstattung der Klassen-, Fach- und Verwaltungsräume, die Versorgung der Schulen mit Lehr- und Unterrichtsmitteln)
  • Allgemeine Dienstleistungen (in Marburg u.a. Organisation der Betreuungsangebote an Grundschulen, Entwicklung von Ganztagsschulangeboten, Lokale Bildungsplanung, Finanzierung und Organisation schulübergreifender Projekte und Veranstaltungen)

Finanzierung der Jugendhilfe

Öffentliche Mittel für Leistungen der Jugendhilfe werden zu 80% von den Kommunen (Städten, Gemeinden, Kreisen) aufgebracht. Etwa 20% der Finanzierung erfolgt durch oberste Landesjugendämter (Länder) sowie zu einem sehr geringen Teil durch den Bund (ca. 1 %).Die Ausgaben für die Jugendhilfe verteilen sich sehr unterschiedlich. Ca 60% der Gesamtaufwendungen gehen in die Tagesbetreuung für Kinder (Tageseinrichtungen, Kindergärten, Horte usw.). Dies ist nicht nur der größte Bereich der Jugendhilfe insgesamt, sondern bedingt durch den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz wurden in den letzten Jahren sehr viele neue Einrichtungen geschaffen. An zweiter Stelle - mit etwa einem Viertel der Ausgaben - stehen die Hilfen zur Erziehung sowie die Hilfen für junge Volljährige (stationäre, teilstationäre Unterbringungen, Maßnahmen der Hilfen zur Erziehung). An dritter Stelle, weit hinter den beiden großen Bereichen, rangiert die offene Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendschutz und die Jugendsozialarbeit.

Fürsorgeerziehung

Der Begriff der Fürsorgeerziehung wird nicht mehr verwendet. Er ist mit der Ablösung des Jugendwohlfahrtgesetzes durch das KJHG (1990/1991) entfallen. Die Fürsorgeerziehung meinte die öffentliche Erziehungshilfe auf der Grundlage des Gesetzes für Jugendwohlfahrt (JWG), die durch den Vormundschafts- oder Jugendrichter angeordnet wurde.

Gemeinwesenarbeit

Einrichtungen der Gemeinwesenarbeit leisten stadtteilbezogene Sozialarbeit oder beziehen sich auf eine sozialräumliche Einheit. Grundlage ihrer Arbeit ist eine ganzheitliche Betrachtung der Menschen, die in diesem Quartier leben (Bewohnerorientierung). Gemeinwesenarbeit sieht ihren zentralen Aspekt darin, die Menschen in ihrer Lebenswelt zu aktivieren. Dabei richtet sie trotz allem ihre Strategie nicht auf individualisierte Problemlagen, sondern auf sozialräumliche Ressourcen und Defizite (Lebensweltorientierung).

Hilfeplan

Der Hilfeplan ist nach §36 SGB VIII eine vorgeschriebene Vereinbarung der Beteiligung zur planmäßigen und methodischen Hilfeleistung. Neben der betroffenen Person selbst sollen alle relevanten Personen aus deren Umfeld an dem Hilfeplan-gespräch beteiligt werden (u.a. Eltern, Lehrer, soziale Fachkräfte, vertraute Personen).

Vgl. auch Beteiligung, Partizipation

Hilfen zur Erziehung (HzE)

Hilfen zur Erziehung sind sozialpädagogische Leistungen (nach §27 SGB VIII) für Kinder und Jugendliche und ihre Familien, die individuell je nach Situation der Individuen konkretisiert werden müssen. Eine präzise Begriffsbestimmung in pädagogischer Hinsicht fällt schwer, handelt es sich bei den Hilfen zur Erziehung doch um recht heterogene pädagogische Settings: Unterschiedliche Professionen leisten mit unterschiedlichen Methoden in unterschiedlicher Intensität und Verbindlichkeit Hilfen für Kinder, Jugendliche, ihre Eltern und/oder die gesamte Familie.

Ambulante Hilfen

  • Erziehungsberatung (§28) arbeitet in der Regel in einem komm-strukturierten Setting mit einem multidisziplinären Team, das jedoch stark von der Psychologie und therapeutischen Zugängen geprägt ist. Beratend unterstützen sie den Klienten an der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme.
  • Soziale Gruppenarbeit (§29) ist ein intensives gruppenpädagogisches Angebot für Kinder und Jugend-liche, das bei der Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen helfen soll. Die zeitliche Intensität ist vergleichsweise gering, ein bis drei Treffen wöchentlich.
  • Erziehungsbeistandschaft (§30) definiert eine Einzelbetreuung, evtl. ergänzt durch Gruppenarbeit für ältere Kinder und Jugendliche mit ebenfalls geringer zeitlicher Intensität, zwischen zwei und sechs Stunden wöchentlich.
  • Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH, §31) ist als eine aufsuchende Hilfe für die gesamte Familie konzipiert, erfolgt in teilweise hoher zeitlicher Intensität und soll die Familie in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, bei der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben.
  • Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung (§35) ist flexibel angelegt und soll Jugendlichen gewährt werden, die einer intensiven Unterstützung zur sozialen Integration und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung bedürfen.

Teilstationäre Hilfen

  • Tagesgruppen (§32) stellen als teilstationäres Angebot für die betreuten Kinder oder Jugend-lichen einen wirklichen Lebensort neben Schule und Familie dar. Als er-zieherische Hilfe haben sie den Auftrag, soziales Lernen in der Gruppe zu ermöglichen, die schulische Förderung zu begleiten und eine intensive Elternarbeit zu unterstützen.

Stationäre Hilfen

  • Vollzeitpflege (§33) bedeutet eine Unterbringung von Kindern oder Jugendlichen in Pflegefamilien. Die Hilfeleistung kann eine zeitlich befristete oder auch eine auf Dauer angelegte Lebensform sein.
  • Heimerziehung (§§34, 41, 19) ist eine Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht. In dieser betreuten Wohnform sollen Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung gefördert werden.

Krisenhilfen (§42)

  • Inobhutnahme (§42) Das Jugendamt ist verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet oder, wenn eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert.

Integrative Erziehung

Unter dem Begriff Integrative Erziehung werden Hilfen zur Eingliederung für Benachteiligte, z.B. Behinderte, Ausländer, Spätaussiedler und andere durch Einbeziehung in Regelangebote der Kinder- und Jugendarbeit verstanden. Schwerpunkt der Förderung sind u.a. zusätzliches Fachpersonal, Pauschalen für die fachliche Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Beratung und Fortbildung sowie die Mitfinanzierung von Bau- und Ausstattungskosten.

Jugendamt / Fachbereich Kinder, Jugend und Familie

Das Jugendamt ist der öffentliche Träger der Jugendhilfe einer Kommune (einer kreisfreien Stadt oder eines Kreises) und verantwortlich für die Erbringung der gesetzlichen und der freien Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Das Jugendamt ist als zweigliedrige Behörde verfasst, d.h. die Aufgaben des Jugendamtes werden durch den Jugendhilfeausschuss und durch die Verwaltung des Jugendamtes wahrgenommen (§70 SGB VIII). Der Aufbau der Verwaltung des Jugendamtes ist je nach Verwaltungsorganisation der Kommune unterschiedlich geregelt. Oft sind die Abteilungen eines Jugendamtes entsprechend des Leistungskataloges des SGB VIII organisiert: Kinder-, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und erzieherischer Kinder- und Jugendschutz; Förderung der Erziehung in der Familie; Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege; Hilfen zur Erziehung (ASD), zentrale Einrichtungen und Verwaltung des Jugendamtes.

Jugendhilfeausschuss

Nach dem SGB VIII ist der Jugendhilfeausschuss in den Gemeinden, Städten und Kreisen das Zentrum der Jugendhilfepolitik vor Ort. Der Jugendhilfeausschuss befasst sich mit allen Angelegenheiten der Jugendhilfe, insbesondere mit der Erör-terung aktueller Problemlagen junger Menschen und ihrer Familien. Dieser Ausschuss soll alle Grundsatzentscheidungen in Sachen Jugendhilfe treffen. Er hat eine Lobbyfunktion für die Interessen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Sein zentraler Auftrag besteht darin, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen (§1 SGB VIII). Mit einem gegenüber anderen Ausschüssen der Kommunalverwaltung deutlich erweiterten Handlungsspielraum und einer anderen Zusammensetzung (2/5 freie Träger: Jugendverbände, Wohlfahrtsverbände, Religionsgemeinschaften, Vereine; 3/5 Vertreter des Kommunalparlaments) nimmt der Jugendhilfeausschuss eine einmalige Sonderstellung innerhalb der Gebietskörperschaft wahr. Die Sitzungen des Jugendhilfeausschusses sind öffentlich.

Jugendhilfeplan

Die Erstellung eines Jugendhilfeplanes ist Aufgabe des öffentlichen Trägers der Jugendhilfe (Jugendamt). Der Jugendhilfeplan soll den Bedarf unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Personensorge-berechtigten für einen mittelfristigen Zeitraum ermitteln.

Jugendsozialarbeit

Die Jugendsozialarbeit ist nach dem KJHG (§13) als selbständiger Leistungsbereich zu verstehen und lässt sich wie folgt definieren: Unter Jugendsozialarbeit lassen sich jene Maßnahmen und Angebote der Jugendhilfe zusammenfassen, die sich vorrangig und unmittelbar der beruflichen und sozialen Integration von sogenannten sozial benachteiligten bzw. individuell beeinträchtigten Jugendlichen und jungen Erwachsenen am Übergang von der Schule ins Erwerbssystem widmen.

(offene) Kinder- und Jugendarbeit

Die Kinder- und Jugendarbeit soll als eigener Bildungsbereich neben Familie und Schule jungen Menschen Angebote zur Förderung ihrer Entwicklung machen, an ihren Interessen anknüpfen, von ihnen bestimmt und mitgestaltet werden, zur Selbstbestimmung befähigen, zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen und hinführen (§11 Abs. 1 SGB VIII). Sie basiert auf Freiwilligkeit der Teilnahme und umfasst als eigenständiges pädagogisches Feld in der Freizeit eine Vielzahl von Angeboten und Maßnahmen, Einrichtungen und Trägern.Formen der Kinder- und Jugendarbeit sind: Kinder- und Jugendgruppen (Jugendverbände), Jugendberatung, Jugendeinrichtungen/Treffs/Zentren (offene Kinder- und Jugendarbeit), Jugendfahrten, Kinder- und Jugenderholung, Seminare, Mobile Jugendarbeit usw.. Die Leistungen der Kinder- und Jugendarbeit werden von öffent-lichen und freien Trägern der Jugendhilfe, insbesondere auch von den Jugend-verbänden bereitgestellt.

Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG, SGB VIII)

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz ist Bestandteil der Sozialgesetzgebung und als Achtes Gesetzbuch (SGB VIII) verfasst. Es trat am 01.01.1991 (im Beitrittsgebiet der Neuen Bundesländer bereits am 03.10.1990) in Kraft und löste das Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) ab. Das SGB VIII regelt in seinen zentralen Kapiteln Leistungen und Aufgaben der Jugendhilfe, Träger der Jugendhilfe, deren Zusammenarbeit und die Gesamtverantwortung, zentrale Aufgaben, Zuständigkeiten usw.. Wesentliche Neuerungen gegenüber dem Jugendwohlfahrtsgesetz sind u.a.:

  • Leistungen und andere Aufgaben der Jugendhilfe werden noch stärker dem kommunalen Jugendamt übertragen
  • Leistungsberechtigte können zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener Träger wählen
  • Ausländer sind stärker in die Leistungen der Jugendhilfe einbezogen
  • die Beteiligung von Kindern wird ausdrücklich festgeschrieben
  • die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen sind zu berücksichtigten
  • der Ausbau eines differenzierten Kataloges von ambulanten und stationären Hilfen zur Erziehung hat zu erfolgen
  • die Erstellung eines individuellen Hilfeplanes wird festgeschrieben.

Die Kooperation mit Schulen und anderen Institutionen wird für die Jugendhilfe in §81 geregelt. Jugendhilfe ist zur Zusammenarbeit „mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen, deren Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Menschen und ihrer Familien auswirkt...“ (§81 SGB VIII) verpflichtet. Dazu zählen an erster Stelle die Schulen.

Lebensweltorientierung

Das Konzept der Lebensweltorientierung (häufig auch mit dem Begriff der Alltags-orientierung umschrieben) hat als eine der zentralen Grundlagen die Entwicklung der Sozialen Arbeit in Theorie und Praxis seit den 70er Jahren sehr deutlich geprägt. Das Konzept der Lebensweltorientierung verweist auf die Notwendigkeit einer konsequenten Orientierung an den Zielgruppen mit ihren je spezifischen Selbstdeutungen und individuellen Handlungsmustern, die in den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen zu berücksichtigen sind.

Struktur- und Handlungsmaxime einer lebensweltorientierten Sozialen Arbeit konkretisieren sich in den allgemeinen Prinzipien der Prävention, der Alltagsnähe, der Inte-gration, der Partizipation und der Dezentralisierung/Regionalisierung bzw. Vernetzung.

Mitwirkung in der Schule

Lehrkräfte, Eltern/Erziehungsberechtigte und Kinder und Jugendliche einer Schulgemeinde sind über schulische Angelegenheiten und Entscheidungen zu informieren und zu beteiligen. Die Schulkonferenz ist das Organ gemeinsamer Beratung und Beschlussfassung, in der oben Genannte zusammenwirken.Darüber hinaus haben die Elternbeiräte (Klassen- oder Schulelternbeirat) und die Schülervertretungen Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Partizipation

Die Begriffe Partizipation und Beteiligung wurden zu einem Prinzip der Sozialen Arbeit in Form der Klienten- und Nutzerbeteiligung erhoben, nachdem das KJHG in Kraft getreten und der Achte Jugendbericht des Bundesministeriums für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (1990) veröffentlicht wurde.

Schulaufsichtsbehörde

Die Schulaufsichtsbehörden haben die Aufgabe, die Qualität der schulischen Arbeit, die Vergleichbarkeit der Abschlüsse und die Durchlässigkeit der Bildungsgänge zu gewährleisten. Sie beraten und unterstützen die Schule u.a. bei der Entwicklung und Umsetzung des Schulprogramms. Die Aufsicht umfasst u.a. die Fachaufsicht über die öffentlichen Schulen, die Dienstaufsicht über die Lehrkräfte an öffentlichen Schulen und die Rechtsaufsicht über die Verwaltung und Unterhaltung der öffentlichen Schulen durch die Schulträger.

Schulentwicklungsplanung

Die Schulträger stellen Schulentwicklungspläne für ihren Zuständigkeitsbereich auf. In den Plänen werden der gegenwärtige und zukünftige Schulbedarf sowie die Schulstandorte ausgewiesen. Die regionalen Schulentwicklungspläne sollen eine langfristige Zielplanung enthalten. Sie sind u.a. mit anderen Fachplanungen, insbesondere der Jugendhilfeplanung, abzustimmen.

Schulprogramm

Durch ein Schulprogramm gestaltet die Schule den Rahmen, in dem sie ihre pädagogische Verantwortung für die eigene Entwicklung und die Qualität ihrer pädagogischen Arbeit wahrnimmt. Sie legt darin auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme die Ziele ihrer Arbeit in Unterricht, Erziehung, Beratung und Betreuung unter Berücksichtigung des allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule und der Grundsätze ihrer Verwirklichung fest.

Schulpsychologischer Dienst

Schulpsychologinnen und Schulpsychologen unterstützen die Schule bei der Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages mit den Erkenntnissen und Methoden der Psychologie. Zu ihren Aufgaben- und Tätigkeitsbereichen gehören u.a. die Schullaufbahn- und Bildungsberatung, die Einzelfallhilfe bei Lern- und Verhaltens-schwierigkeiten und die präventive und systembezogene Beratung von Lehrkräften, Lehrerkollegien, Schulleitungen, Erziehungsberechtigten und Schülerinnen und Schülern.

Der Schulpsychologische Dienst ist integraler Bestandteil des Staatlichen Schulamtes. Diese Einbindung ermöglicht eine enge Zusammenarbeit mit den übrigen Bediensteten der Schulaufsichtsbehörde und stellt eine interdisziplinär abgestimmte Arbeitsweise sicher.

Sozialraumorientierung

Unter der Sozialraumorientierung wird verstanden, die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien in ihrem Lebensraum wahrzunehmen und sich in der pädagogischen Arbeit auf den Stadtteil (den Ort, das Dorf) zu beziehen, in dem die Familien wohnen. Die inhaltliche Bestimmung des Begriffs der Sozialraumorientierung lässt sich im Kontext der Lebensweltorientierung nachvollziehen. Mit der Sozialraumorientierung sind drei Reflexions- und Handlungsebenen angesprochen: das sozialräumliche Verständnis des spezifischen Stadtteils, die Aneignung des Lebensraumes durch die Kinder und Jugendlichen und die Kooperation und Vernetzung der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, die sich als Teil der sozialen Infrastruktur eines Stadtteils verstehen (flexible und integrierte Hilfen).

Staatliches Schulamt

Das Staatliche Schulamt ist die untere Schulaufsichtsbehörde, das der oberen Schulaufsichtsbehörde, dem Kultusministerium, untersteht (unmittelbare Fach- und Dienstaufsicht über die Staatlichen Schulämter). Das Staatliche Schulamt übt in seinem Bezirk die Fach- und Dienstaufsicht über die Schulen aus. Dem Staatlichen Schulamt gehört der schulpsychologische Dienst an. Seine Tätigkeit umfasst die präventive und systembezogene Beratung und die psychologische Beratung von Schulen, Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern.

Subsidiaritätsprinzip

Das Subsidiaritätsprinzip kennzeichnet ein wichtiges Verhältnis zwischen öffentlichen und freien Trägern in der Jugendhilfe auf kommunaler Ebene. Es zielt auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit ab und betont die Selbständigkeit der freien Träger. Im Rahmen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit (diese zeigt sich insbesondere in der Besetzung des Jugendhilfeausschusses) soll der öffentliche Träger bei gleichen Leistungsangeboten den freien Trägern den Vorrang überlassen.

Tageseinrichtung/Tagesgruppe

Das Angebot der erzieherischen Hilfen in einer Tagesgruppe richtet sich an belastete Familien, wenn zur Klärung der Probleme ambulante bzw. unterstützende Hilfen nicht ausreichen, eine stationäre Unterbringung aber nicht angebracht erscheint und die Eltern Bereitschaft zur intensiven Zusammenarbeit zeigen. Zentrale Gründe für eine Betreuung in Tagesgruppen sind Schulprobleme, auffälliges Sozialverhalten und Probleme im elterlichen Erziehungsverhalten, schwierige Partnerbeziehungen und Trennung/Scheidung.

Träger der Jugendhilfe (freie)

In der Sozialen Arbeit existiert in dem Zusammenwirken von öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe eine sogenannte „duale Struktur“, die durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit gekennzeichnet ist (vgl. auch Subsidiaritätsprinzip).

Freie Träger sind neben den kirchlichen Trägern – Deutscher Caritasverband, Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche – die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland. Kleinere Einrichtungen der Jugendhilfe schließen sich in aller Regel einem der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege an.Der Grundsatz von Pluralität und Vielfalt in der Trägerlandschaft (unterschiedliche Wertorientierungen, Vielzahl von Inhalten, Methoden und Arbeitsformen) gehört zu den strukturbildenden Merkmalen von Jugendhilfe.

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